2. plastik als raum
Raum ist im allgemeinen Verständnis ein Behälter, etwas, in dem Dinge Platz finden und der auch als leerer Raum sein Platzpotential erhält. Für das Universum mag das nicht gelten, da ist leerer Raum ein innerer Widerspruch, aber auch auf der Erde steht eine Landschaft nicht in ihrem Raum und sie stellt auch erst dann wirklich einen Raum zur Verfügung, wenn irgendwo „gebaut“ wird, also ein Behälter/Haus/Garage hergestellt wird. Erst hier ist jeder Raum gegeben durch Wand und Begrenzung und ist dann innerhalb dieser Grenzen anfüllbar.
Wenn Architektur verstanden werden kann als in-Bewegung-setzen der statischen Auslegungen von (gebautem Raum) z.B. als promenade architecturale, so hat sich dies durch neue Plastikbaustoffe ausgeweitet, vor allem aber durch die Möglichkeit, große Flächen thermoplastisch in Form zu bringen. Das gilt für eine Badewanne ebenso wie eine Theke, eine Wandverkleidung, ein Cockpit. Eingesetzt wird diese Technik heute mehr in Transiträumen in Flughäfen, Flugzeugen, Cockpits von Autos oder Verkaufs-Displays für Messen oder Point of Sales.
Plastik und Innenraum
Wird Raum mehr, wenn Raum im Raum steckt? Ist eine Wohnung eine Option auf Verstauen? Von Gegenständen, von Bewegungen, von Gefühlen, von Routinen? Die leere, zu beziehende Wohnung, was stellt sie alles latent zur Verfügung? Und die Box, Schachtel, die segmentierte Einlage, die nicht zu betreten ist, dennoch Wand, Oberfläche und Innenraum erzeugt, Innenraumkaskaden der unmittelbaren, privaten Umgebung. Plastik mit seinen soft and hard spaces wird wesentliches Mittel modernen Wohnens zwischen Sofa, Raumteilern, Teppichböden, Badezimmer, Küche und Bett. Wohnen als safe space für den Körper, der aufs Angenehme ausgelegt, komplmentiert den Körper, wie das schon Benjamin für das Interieur im 19. Jahrhundert vorsah. Er sprach von Wohnen als Etui, aber erst Plastik ermöglicht dies wirklich oder macht es jedenfalls denkbar. Verner Panton entwickelt zusammen mit Vitra Design Stühle, die sich ohne rechte Winkel dem sitzenden Körper zum Pendant anbieten und für die Möbelmesse Visiona in Köln 1970 entwickelt er ein ganzes Schiff, in dem alle Räumlichkeit von softscapes überformt ist, hergestellt vorwiegend aus Polyurethan. Ganze Räume besthen aus Schaumstoff, Etagencouches, Sitzregalen und Decken. Die Polsterungen ergeben eine Weichheit, ein Anschmiegen an die Haut als wären Möbel Lotionen.
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